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M. Berger (Hrsg.):
PSYCHIATRIE UND PSYCHOTHERAPIE
Verlag Urban & Fischer, München-Jena 2000, 1.089 S, zahlreiche Abb. und Tab.
ISBN 3-437-22476-X

Um es vorwegzunehmen: Dieses Lehrbuch gehört nach Ansicht des Rezensenten zu den führenden, zu den besten deutschsprachigen Lehrbüchern der letzten Zeit. Allerdings richtet es sich überwiegend an Ärzte, die Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie bzw. Psychotherapeutische Medizin werden wollen. Das Gleiche gilt für Psychologische Psychotherapeuten. Dort wird auch später wird dieses Standardwerk den Psychiatern und Nervenärzten (also Psychiatrie und Neurologie zusammen), ja sogar interessierten Allgemeinmedizinern, Internisten, Gynäkologen, Orthopäden u.a. eine wichtige Hilfe im Alltag von Klinik und Praxis sein. Denn dieser Alltag ist das Leitmaß, und dort hat das Buch auch seine Grenzen, wie von Herausgeber und Autoren bewusst intendiert.

Inhaltlich gliedert sich das umfassende Werk in drei Abteilungen: Grundlagen der Diagnostik und Therapie, psychische Störungen und spezielle Aspekte.

Bei den Grundlagen geht es um Untersuchung und Befund, Diagnose und Klassifikation, um psychopharmakologische und psychobiologische Behandlungsverfahren, Psychotherapie, Sozialpsychiatrie und - sehr wichtig und eigentlich erst in letzter Zeit durch Lehrbücher entsprechend berücksichtigt - um Psychoedukation, Patientenratgeber und Selbsthilfemanuale (mit tabellarischen Übersichten).

Den größten Teil nehmen die psychischen Störungen ein: Depression, Manie, Angsterkrankungen, Schizophrenien und andere psychotische Störungen, Suchtleiden, organische, somatoforme (körperbezogene), Zwangs- und dissoziative Störungen (z. B. die frühere Hysterie), ferner Schlaf-, Sexual- und Ess-Störungen, Anpassungs-, Persönlichkeits- und posttraumatische Belastungsstörungen, nicht-stoffgebundene Süchte und Impulskontroll­störungen, Intelligenzminderung, artifizielle Störungen (Stichwort: Münchhausen-Syndrom) und Suizidgefahr.

Unter den speziellen Aspekten finden sich Gerontopsychiatrie, Konsiliarpsychiatrie, forensische Psychiatrie, ethische Probleme und als neue Bereiche mit Zukunft Qualitätsmanage­ment und evidence-basierte Medizin.

Das „Schaufenster eines jeden (Lehr-)Buches ist das Sachverzeichnis: Es fällt nicht immer zur Zufriedenheit aus, denn es ist ein Fleißwerk. Doch hier ist es gelungen, beispielhaft. Jedes Kapitel hat einen eigenen Literatur-Anhang, oft noch unterteilt in Epidemiologie (z. B. Häufigkeit), Beschwerdebild, Ätiologie (Ursachen) und Pathogenese (Krankheitsentstehung) sowie Therapie. Zwar ist selbst hier die englischsprachige Literatur langsam der dominierende Teil, doch wird vernünftigerweise auch der Erkenntnis Rechnung getragen, dass man sich im Alltag von Klinik und Praxis gerne in seiner Muttersprache informiert und weiterbildet.

Wie immer bei „Viel-Autoren-Büchern“ gibt es Qualitäts-Unterschiede, die sich aber gerade in diesem Lehrbuch - dank einer straffen redaktionellen Konzeption - bezüglich Aufbau, Stil sowie bei Tabellen und Abbildungen in erfreulichen Grenzen halten. Das erleichtert das, was dieses Lehrbuch will: eine Hilfe in der Aus-, Weiter- und Fortbildung, vor allem aber im Alltag von Klinik und Praxis zu sein. Es ist - gelungen (VF).

Bei allen Ausführungen handelt es sich um allgemeine Hinweise.
Bei persönlichen Anliegen fragen Sie bitte Ihren Arzt.
Beachten Sie deshalb bitte auch unseren Haftungsausschluss (s. Impressum).